Prostatagesundheit: Hinschauen, früh erkennen, gezielt behandeln
Die Diagnose Prostatakrebs ist heute längst nicht mehr gleichbedeutend mit einer schlechten Prognose. Wird der Tumor früh erkannt, sind die Heilungschancen in der Regel sehr gut – ein starkes Argument für Vorsorge und Früherkennung. Der Weltprostatatag am 15. September rückt somit auch die häufigste Krebserkrankung bei Männern in den Mittelpunkt.
„Wir müssen beim Prostatakrebs weg von einer rein zufälligen Früherkennung hin zu einem strukturierten, qualitätsgesicherten und risikoadaptierten Screening. Ziel muss sein, aggressive Tumoren frühzeitig zu erkennen, gleichzeitig aber unnötige Untersuchungen und Übertherapien möglichst zu vermeiden“, sagt Dr. Thomas Alber, Primar der Abteilung für Urologie am LKH Hochsteiermark. „PSA-Wert, individuelle Risikofaktoren und moderne MRT-Diagnostik ermöglichen uns heute eine wesentlich differenziertere Früherkennung als noch vor einigen Jahren.“
Prostatakrebs verursacht in frühen und damit potenziell heilbaren Stadien meist keine Beschwerden. Der Früherkennung kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Dabei geht es heute nicht mehr um die einfache Frage „PSA-Test – ja oder nein?“, sondern um eine risikoadaptierte Abklärung.
„Unser Ziel muss es sein, jene aggressiven Tumoren frühzeitig zu erkennen, die für den einzelnen Mann tatsächlich gefährlich werden können, und gleichzeitig unnötige Untersuchungen und Übertherapien möglichst zu vermeiden“, betont Alber. Auch auf europäischer Ebene hat sich die Sichtweise verändert: Der Rat der Europäischen Union nahm das Prostatakarzinom 2022 erstmals in seine Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung auf und empfiehlt ebenso einen schrittweisen, risikoadaptierten Ansatz.
Individuell behandeln statt automatisch operieren
Eine Prostatakrebs-Diagnose bedeutet nicht automatisch eine sofortige Operation. Die Therapie richtet sich nach Tumorstadium und Tumorbiologie sowie nach Alter, Begleiterkrankungen und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Bei wenig aggressiven Tumoren kann eine aktive Überwachung ausreichen. Bei klinisch relevanten, lokalisierten Tumoren sind Operation und Strahlentherapie wichtige kurative Behandlungsmöglichkeiten. Bei fortgeschrittener Erkrankung stehen heute zudem deutlich erweiterte medikamentöse Therapien zur Verfügung.
Für eine bedarfsgerechte Versorgung setzt die KAGes zudem auf Vernetzung und Spezialisierung: Im Uro-Netzwerk Steiermark werden komplexe urologische Eingriffe an den Zentren in Graz und Leoben gebündelt, während routinetaugliche und minimalinvasive Eingriffe auch an weiteren Spitalsstandorten durchgeführt werden. Die seit 2025 bestehende Kooperation mit den Barmherzigen Brüdern Graz erweitert diese Versorgungsstruktur zusätzlich und trägt dazu bei, vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen und Patientinnen und Patienten rascher zu behandeln.
Robotergestützte Eingriffe steigern Effizienz und Präzision
Roboterchirurgie ist in der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Die KAGes verfügt mittlerweile über vier Da-Vinci-Robotersysteme – zwei am LKH-Univ. Klinikum Graz und zwei am LKH Hochsteiermark, Standort Leoben. Dort wurde am 15. Juni 2021 erstmals mit dem Da-Vinci-System operiert.
2026 blickt das LKH Hochsteiermark damit auf fünf Jahre Erfahrung in der Roboterchirurgie zurück. 2024 wurde aufgrund der steigenden Zahl roboterassistierter Eingriffe ein zweites System in Leoben in Betrieb genommen.
„Die Roboterchirurgie ist heute ein wichtiger Bestandteil der modernen operativen Urologie. Entscheidend ist aber nicht die Technik allein, sondern die Erfahrung der Operateur*innen und der gesamten Teams“, betont Alber.
„Gerade bei der Prostatakrebsoperation ermöglicht uns die Kombination aus dreidimensionaler Sicht und hochpräziser Instrumentenführung ein sehr differenziertes Operieren. Ziel ist neben einem bestmöglichen onkologischen Ergebnis auch, die Kontinenz und – sofern onkologisch vertretbar – die Erektionsfähigkeit zu erhalten.“
Und das allgemeine Ziel liegt für den Experten darin, „gefährliche Prostatakarzinome möglichst früh zu erkennen und erfolgreich zu behandeln, gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden und die Lebensqualität der betroffenen Männer bestmöglich zu erhalten.“
Wissen kompakt
8.152 Männer erhielten 2024 in Österreich die Diagnose Prostatakrebs.
31,4 % aller Krebsneuerkrankungen bei Männern entfielen damit auf Prostatakrebs.
1.434 Männer starben 2024 an der Erkrankung.
83.551 Männer lebten Ende 2024 mit der Diagnose Prostatakrebs.
Das relative 5-Jahres-Überleben liegt bei rund 95 %.
Die KAGes verfügt über vier Da-Vinci-Robotersysteme (in Graz und Leoben).
In Leoben wurde am 15. Juni 2021 erstmals roboterassistiert operiert; seit 2024 stehen dort zwei Systeme zur Verfügung.
Im Uro-Netzwerk werden komplexe Eingriffe an den urologischen Zentren in Graz und Leoben gebündelt, während routinetaugliche und minimalinvasive Operationen an den Standorten Deutschlandsberg, Rottenmann und Fürstenfeld sowie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz durchgeführt werden.
Ziel ist es, vorhandene Kapazitäten bestmöglich zu nutzen, Abläufe effizient zu gestalten und Patient*innen möglichst zeitnah die notwendige Behandlung zu ermöglichen.
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